Mercator Fellow


Juli 2015 - Juni 2019

Heinzer

Prof. Dr. Felix Heinzer

Felix Heinzer (geboren in Zürich am 9. Mai 1950) ist Fachmann für Kodikologie, Liturgie und liturgische Dichtung und für die Geschichte der Klosterbibliotheken (insbesondere in Südwestdeutschland). Er studierte zunächst Philosophie und katholische Theologie an den Universitäten Rom (Gregoriana), Lyon, Chur, Freiburg (Schweiz) und Bonn und promovierte in Freiburg mit einer Dissertation über die Christologie des Maximus Confessor. Nach sechsjähriger Tätigkeit als Titelaufnehmer für mittelalterliche Handschriften in Karlsruhe (Badische Landesbibliothek) übernahm er 1986 die Leitung der Abteilung Handschriften der Württembergischen Landesbibliothek in Stuttgart. 2005 nach seiner Habilitation an der Universität Basel über monastische Buchkultur und Ideen für Klosterreformen im mittelalterlichen Südwestdeutschland (2001) erhielt Felix Heinzer eine Professur für Mittellatein an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg (Deutschland). 2002/03 nahm Heinzer auch die Wolfgang-Stammler-Gastprofessur für Germanische Philologie der Universität Freiburg/Schweiz wahr und 2012 war er Internal Senior Fellow am Freiburg Institute for Advanced Studies.
Nach seiner Pensionierung im September 2015 ist Heinzer derzeit W. John Bennett Distinguished Visiting Scholar am Zentrum für mittelalterliche Studien der Universität Toronto und am Päpstlichen Institut für Mittelalterliche Studien. Für Herbst 2016 wurde er von der Universität Kalifornien zu einer längeren Gastprofessur für das Program in Medieval Studies eingeladen.
Felix Heinzer war Mitglied des Unterausschusses für Handschriftenkatalogisierung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (1990–2000), des Mediävistischen Arbeitskreises der Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel (2003–2013) sowie der Kommission für Deutsche Literatur des Mittelalters der Phil.-hist. Klasse der Bayerischen Akademie der Wissenschaften München (2005–2015). Darüber hinaus gehört er seit 2012 dem Wissenschaftlichen Beirat des Projekts „Corpus monodicum. Die einstimmige Musik des lateinischen Mittelalters“ an.

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Petra Kappert Fellows


Februar - April 2017

schaefer

Prof. Dr. Karl R. Schaefer

Karl R. Schaefer (geb. 1949) ist emeritierter Professor für Bibliothekswesen an der Drake University in Des Moines, Iowa. Er wurde in Sprachen und Literaturen des Nahen Ostens an der New York University promoviert (1985) und erwarb dann einen Master in Bibliotheks- und Informationswissenschaft an der University of Oklahoma (1992). Sein Hauptinteresse gilt dem mittelalterlichen arabischen Blockdruck, zu dem er mehrere Aufsätze verfasst und die erste umfassende Untersuchung von erhaltenen Beispielen dieser Technik vorgelegt hat: Enigmatic Charms: Medieval Arabic Block Printed Amulets in American and European Libraries and Museums (Brill, 2006). Zurzeit arbeitet Professor Schaefer an einem zweiten Band über die in jüngerer Zeit entdeckten Beispiele.

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Prof. Dr. Schaefer über seine wissenschaftliche Tätigkeit im SFB 950:

Während meines Aufenthalts am CSMC werde ich an zahlreichen unterschiedlichen Aktivitäten beteiligt sein. Erstens setze ich die Arbeit in meinem Hauptforschungsgebiet fort, dem arabischen Blockdruck des Mittelalters. In dem Zusammenhang plane ich, drei Sammlungen zu besuchen, in denen arabische Blockdrucke vertreten sind: eine in Frankreich, eine in Deutschland und eine in Dänemark. Zweitens nehme ich an zwei Treffen der CSMC-Arbeitsgruppe „Wirkmacht“ teil, die einen relativ neuen ontologischen Ansatz erforscht, der als „Agency“ bekannt ist. Drittens werde ich einen zweitägigen Workshop leiten, in dem die Teilnehmer versuchen werden, ihre eigenen Druckstöcke herzustellen und damit zu drucken. Und schließlich werde ich einen Vortrag über den arabischen Blockdruck und das Archiv halten.



Januar - März 2017

melville

Prof. Dr. Charles Melville

Charles Melville schloss sein Studium der Orientalistik (Arabisch und Persisch) an der Universität Cambridge 1972 mit dem BA (Hons) ab und erwarb 1973 an der SOAS in London einen MA in Islamischer Geschichte, bevor er 1978 an der Universität Cambridge in Orientalistik promoviert wurde. Zurzeit ist er Ad-hominem-Professor für die Geschichte Persiens an der Universität Cambridge und Fellow des Pembroke College. Professor Melville gehört seit vielen Jahren dem Verwaltungsrat des British Institute of Persian Studies an, dessen Vizepräsident er gegenwärtig ist. In Cambridge leitet er seit 1996 das Schahname-Projekt und ist seit 2006 auch Präsident der Islamic Manuscript Association. In zahlreichen Veröffentlichungen hat er sich mit der Geschichte und Kultur des Iran in der Mongolen- und Safawidenzeit (13. bis 17. Jahrhundert), mit der Illumination persischer Handschriften sowie mit dem Schahname des Firdausi, der Illustration des Textes und seiner Rezeption beschäftigt. Der von ihm herausgegebene Band 10 der History of Persian Literature zum Thema Persische Geschichtsschreibung erschien 2012 in London.

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Prof. Dr. Melville über seine wissenschaftliche Tätigkeit im SFB 950:

Meine Forschung konzentriert sich aktuell auf Fragen der „Illustration von Geschichte“, das heißt, ich untersuche, wie und warum unterschiedliche Chroniken illuminiert wurden (oder auch nicht), was die Auswahl der zu illustrierenden Texte und der abzubildenden Szenen in diesen Chroniken bestimmte und wie sich die Malerei auf den geschriebenen Text bezieht. Außerdem möchte ich meine Arbeit auf Zentralasien (Transoxanien) und Nordindien ausdehnen, um Vorstellungen von politischer Herrschaft und Themen der historischen Literatur zu erforschen, die insbesondere zwischen dem Safawidenreich in Persien, dem indischen Mogulreich und dem usbekischen Zentralasien geteilt wurden.



April - Juni 2016

martinelli

Dr. Kallia Lempidaki

Dr. Kallia Lempidaki studierte Griechische und Lateinische Epigraphik in der Sektion für griechisches und römisches Altertum der National Hellenic Research Foundation (NHRF) und der Aristoteles-Universität Thessaloniki. In ihrer 2015 abgeschlossenen Dissertation mit dem Titel „Grabstrafen und -flüche im antiken Griechenland: Sepulkralmulten aus den römischen Provinzen Makedonien, Thrakien und Achaea“ untersuchte sie sowohl die rechtlichen Aspekte von Grabinschriften, die Strafklauseln enthalten, als auch ihr Verhältnis zu den rechtlichen und historischen Rahmenbedingungen der Zeit. In ihrem Hauptforschungsgebiet, der antiken griechischen und lateinischen Epigraphik, konzentriert sie sich auf die juristischen Aspekte der epigraphischen Zeugnisse vom griechischen Festland. Zurzeit arbeitet sie an der Veröffentlichung ihrer Dissertation, die in der Reihe „Μελετήματα“ des NHRF erscheinen wird.

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Dr. Lempidaki über ihre wissenschaftliche Tätigkeit im SFB 950:

Private Vorschriften zur Benutzung einer Grabstätte sowie Verbote und Sanktionen, die diese Vorgaben schützen, werden zunächst in einer Urkunde auf vergänglichem Material, zumeist Papyrus, niedergeschrieben. Dies geschieht zumeist in der Form eines cheirographon, einer juristischen Urkunde, die subjektiv in der ersten Person gehalten ist. Allerdings sind weder aus Griechenland noch aus Kleinasien Papyri erhalten. In weiterer Folge bildet diese Urkunde vielfach die Basis für die eigentliche Grabinschrift, die — auf Stein gesetzt — erhalten ist. In meinen Untersuchungen geht es um den Übergang vom persönlichen Manuskript auf die Urkunde auf Stein, die als Inschrift dauerhaften Charakter hat und ein Mittel der Kommunikation zwischen dem Grabherrn und den Lesern ist. Das Hauptaugenmerk gilt dabei der Präsentation der Texte, der visuellen Organisation auf dem Inschriftenträger und dem primären archäologischen Kontext.



März - April 2016

martinelli

Dr. Stefano Martinelli Tempesta

Dr. Stefano Martinelli Tempesta, 2001 in klassischer Philologie promoviert, ist wissenschaftlicher Mitarbeiter für Gräzistik an der Staatlichen Universität Mailand, wo er „Überlieferungsgeschichte der griechischen Literatur“ lehrt. Schwerpunkt seiner Forschungsarbeit ist die Überlieferung von Texten antiker griechischer Autoren sowohl hinsichtlich ihrer materiellen Aspekte als auch in Bezug auf ihren historischen und kulturellen Hintergrund. Er hat Aufsätze und Monografien zur Manuskriptüberlieferung von Euripides, Platon, Aristoteles, Isokrates, Demosthenes, Plutarch und Quintus von Smyrna, über methodologische Fragen von Textkritik und Redaktionstechniken und zur constitutio textus bei Sappho und Pindar veröffentlicht. Sein Forschungsinteresse gilt zudem der byzantinischen und humanistischen Überlieferung antiker griechischer Texte, den lateinischen Übersetzungen griechischer Texte während des Humanismus und der Renaissance sowie den gedruckten Ausgaben griechischer Texte im 15. und 16. Jahrhundert. Darüber hinaus hat sich Dr. Martinelli Tempesta mit den Marginalien in mehreren Exemplaren früher Druckausgaben von Platon, Plutarch und Isokrates und mit der Wiederherstellung griechischer Zitate bei lateinischen Autoren wie Aulus Gellius im 15. Jahrhundert befasst. Er hat mehrere kritische Editionen herausgegeben, darunter Platons Lysis und einige lateinische Platon- und Isokrates-Übersetzungen. Zurzeit bereitet er eine neue kritische Edition von Plutarchs De tranquillitate animi vor und leitet das Herausgeberteam der neuen Ausgabe von Isokrates’ Orationes et epistolae in der Reihe Oxford Classical Texts. Zusammen mit Giuseppe De Gregorio, Antonio Rollo und David Speranzi arbeitet er überdies an dem Projekt eines „Repertorio dei copisti greci nelle biblioteche italiane“.

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Dr. Martinelli über seine wissenschaftliche Tätigkeit im SFB 950:

Während meines zweimonatigen Aufenthalts am CSMC werde ich an der Fertigstellung meiner Isokrates-Ausgabe für die Reihe Oxford Classical Texts arbeiten. Außerdem plane ich, mit den Vorarbeiten zur Manuskriptüberlieferung von Aristoteles’ Nikomachischer Ethik (über 120 Manuskripte) zu beginnen und als Erstes eine große Anzahl von Manuskripten des fünften Buches zu untersuchen und zusammenzustellen.



Oktober 2015 - April 2016

De Simini

Dr. Florinda De Simini

Florinda De Simini ist Postdoktorandin und Lehrbeauftragte für die Geschichte des alten und mittelalterlichen Indiens an der Universität Neapel L’Orientale. Sie schloss 2004 ein Studium der Altphilologie (BA) an der Universität Neapel Federico II ab und machte 2008 ihren Abschluss in Altphilologie und Sanskrit (MA) an der Universität Neapel L’Orientale. 2013 promovierte sie an der Universität Turin über indische und tibetanische Studien. Ihre Forschungsschwerpunkte sind traditionelle mittelalterliche Literatur auf Sanskrit sowie die religiösen und rituellen Aspekte der Manuskriptkulturen Indiens. Gegenwärtig erforscht sie Rituale, die in Handschriften aus den Hindu-Traditionen beschrieben werden, und die Überlieferung und Verbreitung des Śivadharma Corpus.

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Dr. De Simini über ihre wissenschaftliche Tätigkeit im SFB 950:

Während meines Aufenthalts am CSMC plane ich, ein Buch, an dem ich im vergangenen Jahr gearbeitet habe und das die Ergebnisse meiner Dissertation darstellt, die ich im Sommer 2013 an der Universität Turin verteidigte, zur Veröffentlichungsreife zu bringen. Hauptthema dieses Buchs, das 2016 in der monographischen Reihe des CSMC erscheinen wird, sind die verschiedenen, sich auf Manuskripte richtenden Rituale, wie sie auf Basis literarischer Sanskrit-Quellen des Frühmittelalters, Mittelalters und der frühen Neuzeit rekonstruiert wurden. Das umfassendere Ziel dieses Werks besteht darin, durch die Hervorhebung des ikonischen Werts, der Manuskripten in allen religiösen Traditionen mit Ursprung auf dem Subkontinent beigemessen wird, und durch die Untersuchung ihrer Nutzung im Kontext von Ritual und Darbietung unser Verständnis der Manuskriptkulturen Indiens zu bereichern. Ich hoffe darauf, dass mein Forschungsaufenthalt am Zentrum somit eine gute Gelegenheit für mich darstellt, das Spektrum meines Wissens über das Studium der Manuskriptkulturen als eigenständiges Forschungsgebiet zu erweitern und aus dem Vergleich meiner Fallstudien mit analogen Erscheinungen in verschiedenen Kulturen zu lernen.



Oktober - Dezember 2014

coppola

Dr. Anna Rita Coppola

Anna Rita Coppola studierte afrikanische Geschichte an der Universität Neapel „L’Orientale“. Sie schloss ihr Studium 2004 mit einer Diplomarbeit über ostafrikanische Historiographie mit dem Titel „The Origin of the Swahili Islamic Civilization: the Kilwa Chronicles“ [Der Ursprung der islamischen Swahili-Kultur: Die Kilwa-Chronik] ab und promovierte im Fach Islamische Kultur: Geschichte und Philologie an der Universität Rom mit einer Doktorarbeit zum Thema „Nūr al-Dīn al-Sālimī und sein Tuḥfat al-A‘yān bi-sīrat Ahl ‘Umān: Omanische Historiographie zwischen Tradition und Moderne“. Um ihre Studien in omanischer Geschichte, Arabisch und Theologie zu vertiefen, verbrachte sie acht Monate am Shari’a-Institut in Maskat. Seitdem hat sie ihre Forschung über omanische und swahilische Historiographie als Privatgelehrte fortgesetzt. Ihr Hauptinteresse gilt der Kontextualisierung der Geschichtsschreibung im Zusammenhang mit Kategorien wie zum Beispiel der Identität und Politik Ostafrikas während des omanischen Sultanats und der Kolonialzeit und der Frage, wie in der Swahili-Gesellschaft die Vergangenheit erzählt wurde, was die Menschen über die Vergangenheit aufschrieben, wann sie darüber sprachen, wer dies tat und warum.

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Dr. Anna Rita Coppola über ihre wissenschaftliche Tätigkeit im SFB 950:

Während meines Aufenthalts am CSMC plane ich die Verbindung zwischen Historiographie, Identität und Politik in der swahilischen Historiographie weiter zu erforschen und eine Abhandlung über die historiographische Produktion in Ostafrika im 19. und 20. Jahrhundert mit dem Schwerpunkt Handschriften zu schreiben.


Juni 2014

Hamburger

Prof. Dr. Jeffrey F. Hamburger

Professor Hamburger erwarb sowohl seinen B.A. (1979) als auch seinen Ph.D. (1987) in Kunstgeschichte an der Universität Yale. Bevor er zunächst ordentlicher Professor (2000-2008) und dann Kuno Francke Professor (2008) an der Harvard-Universität wurde, lehrte er am Oberlin College, Ohio und an der Universität Toronto. In Zürich, Paris, Löwen, Oxford und Freiburg, Schweiz hatte er Gastprofessuren inne.
Professor Hamburgers Lehr- und Forschungsschwerpunkt liegt auf der Kunst des Hoch- und Spätmittelalters. Sein besonderes Interesse gilt der Illumination mittelalterlicher Manuskripte, Fragen des Verhältnisses von Text und Abbildung, der Geschichte von Haltungen zu Bildsprache und visuellem Erleben sowie den religiösen Schriften des Mittelalters in deutscher Umgangssprache, insbesondere im Zusammenhang mit Mystik. Seit seiner Dissertation über die Rothschild-Canticles (Yale, 1987), konzentrierten sich viele seiner Forschungen auf die Kunst des weiblichen Mönchtums, ein Forschungsprogramm, das im Jahre 2005 mit der von der Bundesregierung geförderten internationalen Ausstellung Krone und Schleier, die in Bonn und Essen stattfand, seinen Höhepunkt erreichte. Eine englische Übersetzung der Essays des Ausstellungskatalogs wurde im Jahr 2008 von der Columbia University Press herausgegeben. Seine aktuellen Forschungen umfassen ein Projekt, das die Integration digitaler Technologien in Erforschung und Präsentation liturgischer Manuskripte anstrebt, eine Untersuchung narrativer Bildsprache in spätmittelalterlichen deutschen Gebetbüchern und eine große internationale Ausstellung über die Illumination deutscher Manuskripte im Zeitalter Gutenbergs. Prof. Hamburger hat zahlreiche Auszeichnungen erhalten, darunter Stipendien der John S. Guggenheim Foundation, der American Philosophical Society, der National Endowment for the Humanities (NEH )und der Humboldt-Stiftung, und wurde im Jahr 2001 zum Fellow der Medieval Academy of America und 2009 zum Mitglied der American Academy of Arts & Sciences gewählt. Er gehört zahlreichen Beiräten an, unter anderem dem der deutschen Handschriftenzentren, des Europäischen Romanik-Zentrums, des Centre International de Codicologie (Königliche Bibliothek Belgiens in Brüssel) und des Katalogs der deutschsprachigen illustrierten Handschriften des Mittelalters, Bayerische Akademie der Wissenschaften, München.
Neben zahlreichen Artikeln veröffentlichte Prof. Hamburgers u.a. folgende Bücher: Script as Image (Löwen: Peeters, 2014), The Mind's Eye: Art and Theological Argument in the Medieval West, mitherausgegeben von Anne-Marie Bouché (Princeton: Department of Art & Archaeology, Princeton University, Princeton University Press, 2005) und The Visual and the Visionary: Art and Female Spirituality in Late Medieval Germany (New York: Zone Books, 1998).

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Prof. Dr. Hamburger über seine wissenschaftliche Tätigkeit im SFB 950:

Während meines Aufenthalts in Hamburg werde ich an der Fertigstellung meines Buchs über die liturgischen Manuskripte aus Paradies bei Soest arbeiten, das 2015/16 im Aschendorff Verlag, Münster, erscheinen wird (mit Eva Schlotheuber, Susan Marti und Margot Fassler).


Mai 2014 – Juni 2014

Maniaci

Prof. Dr. Marilena Maniaci

Marilena Maniaci ist Professorin für Paläographie an der Universität Cassino und südliches Latium in Mittelitalien, an der sie seit 2008 tätig ist. Der Schwerpunkt ihrer Forschungsinteressen liegt auf der Geschichte griechischer und lateinischer Handschriften und ihrer Herstellungsverfahren sowie auf der Entwicklung geeigneter Methoden für die Analyse und Darstellung mittelalterlicher Manuskripte. Sie hat mehrere Monographien über Buchterminologie publiziert, darunter eine Terminologie für Manuskripte (Terminologia del libro manoscritto 1996, 1998), eine Monographie über die Gestaltung byzantinischer Pergament-Manuskripte (Costruzione e gestione della pagina nel manoscritto bizantino, 2002) und in jüngerer Zeit eine weitere über die Struktur und Darstellung des mittelalterlichen Kodex (La syntaxe du codex. Essai de codicologie structurale, 2013, zusammen mit Patrick Andrist und Paul Canart). Sie hat Beiträge über die bei der Herstellung griechischer und lateinischer Manuskripte benutzten Materialien und Techniken (Pergament, Tinten, Formate, Bestimmungsmethoden, Gestaltungsschemata, retuschierte Texte etc.), über die Struktur und Darstellung komplexer Kodizes und die Kodikologie der Vulgata und in Griechisch und Latein geschriebener liturgischer Rollen veröffentlicht.
Marilena Maniaci sitzt im Vorstand einer Reihe renommierter wissenschaftlicher Zeitschriften und ist derzeitig Präsidentin von APICES, dem Weltverband der Paläographen (Association paléographique internationale culture écriture société), eine Position, die sie noch bis 2018 innehaben wird. Sie leitet das „Kodikologie- und-Paläographie“-Team innerhalb des ESF-Projekts „COMSt. Comparative Oriental Manuscript Studies“ (www1.uni-hamburg.de/COMST/) und arbeitet bei der Herausgabe der Encyclopaedia of Manuscript Cultures in Asia and Africa als Beraterin mit dem Sonderforschungsbereich 950, „Manuskriptkulturen in Asien, Afrika und Europa“, zusammen. Von 2007 bis 2012 war sie Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der deutschen Handschriftenzentren und im Jahre 2010 ESAJS-Fellow (European Seminar on Advanced Jewish Studies) am Zentrum für hebräische und jüdische Studien in Oxford.
Marilena Maniaci wurde zu einem Mitglied des European Science Foundation Pool of Reviewers (2009–2012) sowie der von ANVUR, einer nationalen Behörde, zum Zwecke der Evaluierung der wissenschaftlichen Forschung in Italien eingesetzten Expertengruppe (VQR 2004–2010) ernannt. Sie ist auch als Gutachterin für internationale Projekte und Institutionen (einschließlich dem italienischen Forschungsministerium, der Israelischen Akademie der Wissenschaften und der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) und der Facultés universitaires Notre-Dame de la Paix de Namur) tätig und rezensiert für mehrere internationale Fachjournale wissenschaftliche Veröffentlichungen.

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Prof. Dr. Maniaci über ihre wissenschaftliche Tätigkeit im SFB 950:

Mein zweimonatiger Aufenthalt am CSMC dient vorrangig der Fertigstellung eines Artikels über die Neudatierung und -kontextualisierung einer Gruppe beneventanischer Manuskripte aus dem 12. Jahrhundert und dem Verfassen eines weiteren Artikels über Anmerkungen und Ergänzungen in italienischen Riesenbibeln des 11. Jahrhunderts. Ich werde auch Vergleichsbelege für ein laufendes Forschungsprojekt über byzantinische liturgische Rollen sammeln und an der Bearbeitung der Introduction to Comparative Oriental Manuscript Studies mitarbeiten, die Ende 2014 erscheinen soll.


Juni 2013 – August 2013

Gippert

Prof. Dr. Jost Gippert

Jost Gippert lehrt seit 1994 Vergleichende Sprachwissenschaft an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Nach einem Studium der Vergleichenden Sprachwissenschaft, Indologie, Japanologie und Sinologie in Marburg und Berlin (Freie Universität) erwarb er 1977 den Grad eines Doktors der Philosophie mit einer Arbeit über die Syntax infinitivischer Bildungen in den indogermanischen Sprachen. Von 1977 bis 1990 hatte er verschiedene Positionen als Wissenschaftlicher bzw. Hochschulassistent sowie als Universitätslektor in Berlin, Wien und Salzburg inne. Als Forschungsassistent für Orientalistische Computerlinguistik habilitierte er sich 1991 an der Universität Bamberg mit einer Arbeit über die Iranischen Lehnwörter im Armenischen und Georgischen. Seit 1996 ist er Auswärtiges Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Gelati (Georgien), seit 2002 Mitglied der Turfankommission und seit 2007 Mitglied des Zentrums „Sprache“ der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. 1997 wurde zum Ehrenprofessor der Sulkhan Saba Orbeliani-Universität in Tbilisi (Georgien) ernannt, 2009 zum Ehrendoktor der Ivane Javakhishvili-Universität ebendort und 2013 zum Ehrendoktor der Shota Rustaveli-Universität in Batumi (Georgien).
Jost Gippert ist Gründer und Direktor des TITUS-Projekts (Thesaurus Indogermanischer Text- und Sprachmaterialien), das auf eine vollständige digitale Erfassung des textlichen Überlieferungsmaterials in alten indogermanischen Sprachen und ihnen benachbarten Idiomen abzielt (seit 1987). Seit 2010 leitet er den Schwerpunkt „Digital Humanities Hessen: Integrierte Aufbereitung und Auswertung textbasierter Corpora“ im Rahmen der „Landes-Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz (LOEWE)“ des Landes Hessen (Gemeinschaftsprojekt der Universität Frankfurt mit der Technischen Universität Darmstadt und dem Freien Deutsches Hochstift / Frankfurter Goethe-Museum). Mit Orientalischen Handschriften beschäftigt er sich intensiv seit der Mitte der 1990-er Jahre im Rahmen von Projekten, die auf die Handschriftendigitalisierung (z.B. der tocharischen Handschriften der Berliner Turfansammlung) oder die Palimpsestedition abzielen (z.B. die kaukasisch-albanischen Palimpsesthandschriften vom Sinai).

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Prof. Dr. Gippert über seine wissenschaftliche Tätigkeit im SFB 950:

Nach meinem Gastaufenthalt bei der Forschergruppe „Manuskriptkulturen“ im Sommer 2009 war dies bereits mein zweiter längerer Aufenthalt im Kreis der Manuskriptforscher an der Universität Hamburg. Stand seinerzeit noch die Aufarbeitung von Palimpsesten kaukasischer Provenienz im Vordergrund, so war der Aufenthalt am SFB 950 im Sommer 2013 v.a. durch vorbereitende Arbeiten zur Encyclopedia of Manuscript Cultures of Asia and Africa sowie zum Handbuch Comparative Oriental Manuscript Studies, die Erarbeitung eines Beitrags über eine georgische Evangelienhandschrift zur Konferenz „The Secondary Life of Manuscripts“ sowie die Fertigstellung eines Aufsatzes über buddhistische Inschriften von den Malediven geprägt.


Juni 2013 – Juli 2013

Perilli

Prof. Dr. Lorenzo Perilli

Lorenzo Perilli ist als klassischer Philologe an der Universität Rom Tor Vergata tätig. Seine Lehr-und Forschungstätigkeit ist insbesondere Texten der altgriechischen Medizin und Philosophie gewidmet sowie methodischen Fragen der klassischen Philologie, der antiken und byzantinischen Lexikographie und den Digital Humanities. Er hat sich mit der Medizin von Hippokrates und Galen beschäftigt, der empirischen Medizin im alten Griechenland und Rom, der vorsokratischen Philosophie und in letzter Zeit auch mit der Verbreitung, Bewahrung und Überlieferung des wissenschaftlichen Wissens der Antike. Seit mehreren Jahren bereitet er die editio princeps von Galens sogenanntem Hippokrates-Glossar vor; im Zentrum dieser Arbeit steht eine tiefgehende Analyse der handschriftlichen Überlieferung.
Er war als Gastwissenschaftler an mehreren Universitäten in Europa tätig: zuerst als Stipendiat der Alexander von Humboldt-Stiftung in München, später als Research Associate am Wellcome Trust Centre for the History of Medicine des University College London (UCL) und als Visiting Fellow an der Universität Zürich, Klassisch-philologisches Seminar, sowie in Utrecht, Wien, und längere Zeit in Berlin als Gast des Corpus Medicorum Graecorum (Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften) und der Humboldt-Universität. 1997 erhielt er den „G. Borgia“-Preis der Italienischen Accademia Nazionale dei Lincei, 2001 den Preis des Italienischen Ministeriums für Kultur und 2007 den Friedrich-Wilhelm-Bessel Forschungspreis der Alexander von Humboldt-Stiftung.

Prof. Dr. Perillis Website | Wikipedia-Eintrag | Kontakt


Prof. Dr. Perilli über seine wissenschaftliche Tätigkeit im SFB 950:

Mein Aufenthalt im SFB 950 ist der weiteren Erforschung der komplexen handschriftlichen Überlieferung des ‘Hippokrates-Glossars’ des griechischen Arztes Galen gewidmet. Der Text wird in 28 Manuskripten tradiert, die in das 10. bis 17. Jahrhundert datiert werden. Einige von diesen Codices wurden erst vor kurzem wiederentdeckt, nachdem sie jahrhundertelang als verschollen galten. Die Beziehungen zwischen den Manuskripten und ihre Abhängigkeitsverhältnisse zu bestimmen, ist eine komplexe und schwierige Aufgabe, die in den folgenden Wochen weiter vorangebracht werden soll. Ein besonderes Augenmerk soll dabei auf die Codices gelegt werden, in denen der Text nicht in alphabetischer Reihenfolge vorliegt und die eine wichtige Rolle in der Entstehung und Überlieferung des Glossars spielen.


Oktober 2012 – März 2013

Seidensticker

Prof. Dr. Tilman Seidensticker

Tilman Seidensticker hat an den Universitäten Göttingen und Tübingen Arabistik/Islamwissenschaft, Philosophie und Gräzistik studiert. Nach seiner Promotion in Tübingen war er von 1983 bis 1995 Hochschulassistent und Hochschuldozent an der Universität Gießen. Von seinem dortigen Betreuer Ewald Wagner ist er an das Forschungsgebiet der arabischen Handschriften herangeführt worden. Seit 1995 hat er die Professur für Islamwissenschaft an der Universität Jena inne, seit 1997 leitet er die Jenaer Arbeitsstelle "Arabische Handschriften" des Langzeitprojektes "Katalogisierung der Orientalischen Handschriften in Deutschland" (Akademie der Wissenschaften zu Göttingen). Der Hamburger Manuskriptforschung ist er schon aus den Zeiten der Forschergruppe "Manuskriptkulturen in Asien und Afrika" (2008-2011) verbunden. Weitere Forschungsgebiete neben der Manuskriptforschung sind die vorislamische Religionsgeschichte, frühislamische Dichtung und Gegenwartsphänome des Islams.

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Prof. Dr. Seidensticker über seine wissenschaftliche Tätigkeit im SFB 950:

Während meines Gastaufenthalts am SFB 950 möchte ich an erster Stelle den Kontakt zu den Hamburger Kolleginnen und Kollegen vertiefen und die beiden Dissertationen im Teilprojekt B05 zum Layout arabischer Manuskripte intensiv betreuen. Außerdem werde ich als Regional Editor der Encyclopaedia of Manuscripts in Asia and Africa die Aufgabenverteilung für den Bereich der arabisch-persisch-türkischen Manuskriptkultur weiter vorantreiben. Schließlich möchte ich mich, angeregt durch einen SFB-Workshop "Manuscripts in Motion", mit der Frage "How Arabic manuscripts moved to German libraries" beschäftigen.


Oktober 2012 – Dezember 2012

Maniaci

Dr. Uta Lauer

An der Universität Stockholm lehrt Uta Lauer seit 2007 als Gastprofessorin chinesische Kunst-und Kulturgeschichte. Zuvor war sie an der Huanan Normal University in Guangzhou und an der Shanghai Normal University für zwei Jahre ebenfalls als Gastprofessorin tätig. Ein Forschungsstipendium der Chiang Ching-Kuo Foundation ermöglichte es ihr an einem Projekt über die Ikonographie der Bananenstaude in der chinesischen Kunst zu arbeiten, welches inzwischen in einigen Fachartikeln und Konferenzbeiträgen resultierte und schlußendlich als Buch erscheinen wird. Schon während ihrer Zeit als Hochschulassistentin an der Universität Heidelberg widmete sich Lauer schwerpunktmäßig der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit chinesischer Schrift und Kalligraphie. Seit einigen Jahren ist sie Herausgeberin der Schriftenreihe Studien zur Ostasiatischen Schriftkunst. Lauer rezensiert für mehrere internationale Fachzeitschriften wissenschaftliche Veröffentlichungen und ist als Fachgutachterin für die Deutsche Forschungsgemeinschaft tätig. Am Sonderforschungsbereich Manuskriptkulturen Asiens, Afrikas und Europa an der Universität Hamburg wird sie für den Workshop „Manuscripts in Motion“ im November 2012 einen Chair übernehmen und im Januar 2013 im Rahmen der Konferenz „Edges and Frameworks on Manuscripts“ einen Vortrag halten über „Shattered Frames-Challenging the Credibility of Colophons“. Lauers Arbeit über den Zusammenhang zwischen Kalligraphie und dem Schreiben buddhistischer Sutren soll in der Ausgabe Nr. 5 von „manuscript cultures“ veröffentlicht werden.

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Dr. Lauer über ihre wissenschaftliche Tätigkeit im SFB 950:

Am SFB für Manuskriptkulturen in Asien, Afrika und Europa schätze ich besonders die regelmäßigen Donnerstagsvorträge, bei denen ich fächerübergreifend mit Kollegen aus der ganzen Welt Fragen diskutieren kann, die alle beteiligten Schriftkulturen betreffen. Auch die zahlreichen Workshops und Konferenzen sind eine große Bereicherung, die mir viele Anregungen für die eigene Arbeit geben.


September 2012 – Februar 2013

Gregorio

Prof. Dr. Giuseppe De Gregorio

Prof. Dr. Giuseppe De Gregorio ist 1962 in Rom geboren, wo er an der Universität "La Sapienza" Paläographie und Diplomatik, Klassische Philologie, Byzantinistik und Mediävistik studiert hat (1981-1986). In den Jahren 1987 bis 1992 setzte er seine Ausbildung bei Prof. Dr. Dieter Harlfinger in Deutschland (Berlin und Hamburg) fort. 1992 bis 1998 war Giuseppe De Gregorio als Assistent für griechische Paläographie an der Universität "La Sapienza" in Rom tätig, bevor er 1998 eine Professur für griechische Paläographie und Byzantinistik an der Universität Salerno übernahm (1998 bis 2001 als außerordentlicher Professor und seit 2002 als ordentlicher Professor). Zudem ist er seit 2007 Lehrbeauftragter für griechische Paläographie an der Scuola Speciale per Archivisti e Bibliotecari der Universität "La Sapienza" in Rom. An beiden Universitäten betreut er Magister und Doktoranden. Von 2005 bis 2011 war Giuseppe De Gregorio Mitglied verschiedener wissenschaftlicher Einrichtungen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (Kommission für Byzantinistik, Kuratorium des Instituts für Byzanzforschung, Beirat für das Zentrum Mittelalterforschung); in Wien war er u. a. an Katalogisierungprojekten sowie an Projekten zur Erschließung von Arbeitsthemen im Bereich Byzantinistik (Schreiber der Wiener griechischen Handschriften, Patriarchatsregister von Konstantinopel, Wiener griechische Palimpseste) beteiligt. Im Rahmen seiner Tätigkeit als Mitglied der Kommission "Indici e cataloghi delle biblioteche italiane" des italienischen Kultusministeriums betreut Giuseppe De Gregorio das Projekt zur Katalogisierung griechischer Handschriften der Biblioteca Nazionale Centrale "Vittorio Emanuele II" zu Rom. Zudem hat er eine Forschungsgruppe zum Thema "Wechselwirkungen zwischen Ost und West in der byzantinischen Welt: literarische, hagiographische und liturgische Aspekte in der Handschriftenproduktion aus der Zeit vom 6. bis zum 15. Jahrhundert" geleitet (2000-2003). Er ist Mitglied des Comité International de Paléographie Grecque und seit 2006 Präsident der Associazione Italiana dei Paleografi e Diplomatisti. Die wissenschaftlichen Interessen von Giuseppe De Gregorio liegen u.a. in den Bereichen der griechischen Schrift- und Buchkultur in der Palaiologenzeit sowie in der Renaissance, der Rezeption der griechischen Epigrammatik in der byzantinischen Dichtung, der Überlieferungsgeschichte byzantinischer antijüdischer Traktate und dem Studium von Texten und Dokumenten zur Gründung byzantinischer Klöster ; im Mittelpunkt seiner wissenschaftlichen Tätigkeit stehen auch allgemein die Katalogisierung griechischer Buchbestände (unter besonderer Berücksichtigung der Überlieferung des Corpus Aristotelicum) sowie Studien zur Entstehung der griechischen Buchminuskel.

Prof. Dr. De Gregorios Website | Kontakt


Prof. Dr. De Gregorio über seine wissenschaftliche Tätigkeit im SFB 950:

Während meines Aufenthalts im SFB 950 habe ich vor, zwei Beiträge abzuschließen. Der erste Beitrag konzentriert sich auf Aspekte der Überlieferungsgeschichte antiker und byzantinischer Autoren in der Palaiologenzeit, unter besonderer Berücksichtigung der Figur von Maximos Planudes (zwischen Konstantinopel und Thessaloniki) und seiner Abschriften rhetorisch-philosophischer Texte (v.a. Libanios, Aristeides und Philon von Alexandrien) sowie der Rezeption der Epigrammatik; im Fall des Philon werde ich versuchen, mit Hilfe der Identifizierung von Händen aus der Kaiserkanzlei einen konstantinopolitanischen Überlieferungszweig zu rekonstruieren.
Der zweite Beitrag wird einige Aspekte der Handschriftenproduktion von byzantinischen antijüdischen Traktaten behandeln. Es bietet sich im Rahmen des Hamburger Projekts an, anhand konkreter Beispiele einige für den griechischen Osten charakteristische überlieferungs- und rezeptionsgeschichtliche Erscheinungen und zugleich bestimmte Aspekte der Manuskriptkultur in der spätbyzantinischen Gesellschaft und im osmanischen Konstantinopel des 16. Jahrhunderts zu untersuchen. Darüber hinaus plane ich, die Vorarbeiten zu einer Untersuchung über membra disiecta (Fragmente einer einzigen Bucheinheit, die sich heute in verschiedenen Bibliotheken befinden) zu beginnen, mit dem Schwerpunkt auf einigen in Deutschland und Italien aufbewahrten Handschriften.


Juni 2012 – August 2012

Galambos

Dr. Imre Galambos

Seit seiner Promotion an der University of California in Berkeley (2002) ist Imre Galambos für das International Dunhuang Project (IDP) an der British Library tätig. Im Herbst 2012 wird er seine neue Stellung als Lecturer für vormoderne Sinologie an der University of Cambridge antreten. Sein ursprüngliches Forschungsgebiet war das frühe China, speziell die im Zeitalter der Streitenden Reiche verwendeten Schriftarten, wie sie in Mansukripten aus neueren Ausgrabungen ans Licht kamen. Diesem Thema war auch sein erstes Buch gewidmet (Orthography of Early Chinese Writing, 2006). Doch während seiner Mitarbeit am IDP erwachte sein Interesse an der Manuskriptkultur von Dunhuang, und sein Fokus verlagerte sich auf die Zeit des Mittelalters. Sein zweites, gemeinsam mit dem Tibetologen Sam van Schaik verfasstes Buch Manuscripts and Travellers: The Sino-Tibetan Documents of a Tenth-century Buddhist Pilgrim (2012) untersucht eine Gruppe von Dunhuang-Manuskripten aus dem einstigen Besitz eines chinesischen Mönchs, der auf dem Weg zu den heiligen Stätten Indiens die Region Hexi durchquerte. Darüber hinaus hat Imre Galambos auch tangutische Texte aus Khara Khoto analysiert und bereitet zurzeit eine umfangreiche Studie über ein Manuskript aus dem Bestand der Stein Collection in der British Library vor.

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Dr. Imre Galambos über seine wissenschaftliche Tätigkeit im SFB 950:

Während meines Aufenthalts am CSMC plane ich, an meinem neuen Buch über ein tangutisches Manuskript aus Khara Khoto zu arbeiten. Dabei handelt es sich um eine Übersetzung des Jiangyuan („Der Garten des Generals“), eines chinesischen Militärtraktats, das Zhuge Liang zugeschrieben wird. Da die frühesten chinesischen Ausgaben dieses Textes aus der Ming-Dynastie stammen, ist die tangutische Übersetzung faktisch die älteste erhaltene Fassung. Sie kann uns nicht nur helfen, die verschollene Song-Ausgabe des Textes zu rekonstruieren, sondern auch dazu beitragen, das Werk mit größerer Exaktheit zu datieren. Zusammen mit einer Reihe von Übersetzungen weiterer militärischer Texte liefert das Manuskript auch wertvolle Informationen zu der Frage, wann, warum und wie weltliche chinesische Texte ins Tangutische übertragen wurden. Endlich gibt es Aufschluss über die tangutische Manuskriptkultur, ein in der Vergangenheit vergleichsweise vernachlässigtes Thema, da die Wissenschaft überwiegend mit linguistischen und philologischen Fragen befasst war. Es gibt zwar Untersuchungen zur Rolle der Tanguten in der Geschichte des Buchdrucks, insbesondere zu ihrer Verwendung beweglicher Lettern, doch die Manuskripttradition der Westlichen Xia ist ein bis heute weitgehend unerforschtes Feld.


April 2012 – September 2012

Sanderson

Prof. Dr. Alexis G. J. S. Sanderson

Nach Abschlüssen in Altphilologie (1969) und Sanskrit (1971) am Balliol College in Oxford verbrachte Alexis Sanderson sechs Jahre in Kaschmir, wo er bei einem Gelehrten und traditionellen shivaitischen Guru studierte. Von 1977 bis 1992 war er Dozent für Sanskrit an der University of Oxford und Fellow am Wolfson College. Seit 1992 hat er an der University of Oxford den Lehrstuhl für Östliche Religionen und Ethiken inne und wurde in dieser Funktion dann Fellow am All Souls College. In seinem Forschungsgebiet, den frühmittelalterlichen Religionen Indiens und Südostasiens, konzentriert er sich auf die Geschichte des Shivaismus, seine Beziehungen zum Staat und seinen Einfluss auf Buddhismus und Vishnuismus. Neben seiner Forschungstätigkeit lehrt Sanderson in Oxford in allen Studienphasen und betreut insbesondere Studierende, die einen Master in Klassischer Indischer Religion anstreben oder an ihrer Dissertation arbeiten.


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Prof. Dr. Sanderson über seine wissenschaftliche Tätigkeit im SFB 950:

Während meines Aufenthalts am CSMC plane ich, zwei Bücher fertigzustellen. Das erste, The Śaiva Age, soll den Aufstieg von neu entwickelten Religionsformen zur Vorherrschaft in Indien und Südostasien während des frühen Mittelalters veranschaulichen und erklären. Zusammenfassend werden diese Religionsformen als Shivaismus bezeichnet und sind darauf ausgerichtet, den Gott Shiva und seine verschiedenen göttlichen Gemahlinnen versöhnlich zu stimmen. In meinem Buch untersuche ich Inschriften, Artefakte und Texte. Anhand dieser letzten und weitaus größten Gruppe weise ich nach, wie jeder der Hauptkonkurrenten des Shivaismus um die göttliche Gunst – die Vishnuiten, die Buddhisten und die Jainas – sich dem Erfolg des Shivaismus anpassten, indem sie neue rituelle Ordnungen nach shivaitischem Vorbild entwickelten und im Zuge dessen neue Schriftsammlungen hervorbrachten, die reichhaltige Belege für die umfassende Übernahme shivaitischen Schriftmaterials aufweisen, oft mit wenig erfolgreichen Anstrengungen, die Herkunft dieser Passagen durch Überarbeitung zu verschleiern.
Im gegenwärtigen Stadium muss das Buch nicht nur geringfügig überarbeitet werden, sondern erfordert auch ein weiteres Kapitel, in dem ich erst jüngst von mir entdeckte Belege für einen solchen ‚frommen Plagiarismus‘ durch die Jainas darlege – und vor allem zeige, dass das jainistische Nirvāṇ akalikā, ein Standardwerk zur Durchführung regelmäßiger Gebete, Initiationen und der Weihe von Bildnissen und Tempeln, tatsächlich eine Bearbeitung des bislang unveröffentlichten, von Bhojadeva verfassten shivaitischen Ritualhandbuchs Siddhāntasārapaddhati darstellt, das in zwei frühen Palmblattmanuskripten erhalten ist. Diese wurden in Nepal vom „Nepal-German Manuscript Preservation Project “ (NGMPP) fotografisch dokumentiert.
Das zweite Buch, Śaivism and Brahmanism, wird den Wandel in den Beziehungen zwischen der aufkommenden Shiva-Tradition und der brahmanischen Hauptreligion während des gleichen Zeitraums untersuchen. Das Buch wird einen Prozess der zunehmenden Distanzierung und gegenseitigen Feindseligkeit skizzieren, gefolgt sowohl von einer Wiederannäherung, die schließlich das Selbstbewusstsein des Shivaismus als eigenständige und überlegene Religion bedrohte, als auch von einer gleichzeitigen Reaktion auf diese Wiederannäherung in verschiedenen Shakti-Shiva-Kulten. Diese waren antinomistisch geprägt und wurden in bestimmten Elitekreisen aufgegriffen, um die Zwänge und Beschränkungen durch die brahmanische Orthopraxie zu überwinden. Der letzte Buchabschnitt, in dem diese Reaktion erforscht wird, soll hier am CSMC entstehen.


Oktober 2011 – März 2012

Nobili

Dr. Mauro Nobili

Mit einer Arbeit zum Thema Der Islam und die traditionellen Religionen im Malireich schloss Mauro Nobili 2004 sein Studium am Fachbereich Arabistik und Afrikanistik der Universität Neapel „L’Orientale“ ab. 2008 wurde er dort in der Afrikanistik mit der Dissertation Die prägende Phase in der Geschichte Timbuktus promoviert. Im Frühjahr 2012 wird er als Fellow an die University of Cape Town gehen.
Seine Hauptinteressengebiete sind die Geschichte des vorkolonialen Westafrika und die Manuskript¬traditionen in dieser Region. Er hat für die Series Catalogorum gearbeitet, ein italienisch-französisches Projekt zur Katalogisierung von islamischen Manuskripten unter Beteiligung des Istituto per l’Oriente „C.A. Nallino“ (Rom) und des CNRS – Mondes Iranien et Indien (Paris). Seine jüngsten Beiträge konzentrieren sich vorwiegend auf die Schriftstile in westafrikanischen Manuskripten.

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Dr. Nobili über seine wissenschaftliche Tätigkeit im SFB 950::

Während meines Aufenthalts am CSMC plane ich, meinen umfassenden Katalog arabischer Manuskripte aus Westafrika in der Sammlung De Gironcourt zu vollenden, die im Institut de France in Paris liegt. Darüber hinaus entwickele ich gerade eine Datenbank für Kataloge von islamischen Manuskripten aus dem subsaharischen Afrika und schreibe für die CSMC-Zeitschrift manuscript cultures einen Artikel über den Zustand der Kataloge westafrikanischer Sammlungen. Daneben werde ich einen Artikel über den westafrikanischen Schriftstil der Sahararegion zwischen Timbuktu und der Atlantikküste fertigstellen, der bereits zu meinem neuen Projekt als Postdoc-Stipendiat an der University of Cape Town gehört.
Ich organisiere zwei öffentliche Vorträge – von Shamil Jeppie (Tombouctou Manuscripts Project, University of Cape Town, Südafrika) und Terence Walz (Privatgelehrter, Washington DC) – und gemeinsam mit Dmitry Bondarev den für März 2012 geplanten internationalen Workshop ‚West African Arabic Manuscripts: Encyclopaedic Dimension of Study‘“.