projekte

Wissenschaftliche Teilprojekte der ersten Phase 2011-2015



Projektbereich A: Paratexte

Der Projektbereich A untersucht Textformen, die in einem physischen und/oder inhaltlichen Abhängigkeitsverhältnis zu einem Haupttext stehen. Das Verhältnis zwischen Paratext und Haupttext gestaltet sich dabei als variabel: Abhängige Elemente können im Laufe der Überlieferungsgeschichte als Teil des Haupttextes integriert, umgekehrt einzelne Elemente des Haupttextes zu Paratexten gestaltet werden. Das Medium des Manuskripts, insbesondere der Prozess der Überlieferung durch Abschriften, begünstigt solche flexiblen Trennungen und Einbeziehungen. Der Projektbereich untersucht derartige Wechselverhältnisse daher besonders in Abhängigkeit von den Merkmalen der spezifischen Manuskriptkulturen.

Systematisch lassen sich drei Grundfunktionen zur Organisation von Wissen in Manuskripten identifizieren: a) Als Instrument der Ordnung dienen Paratexte dazu, Texte nach unterschiedlichen Vorstellungen und Bedürfnissen zu strukturieren, b) als Kommentar ergänzen oder präzisieren sie den Inhalt, und c) dokumentieren oder regulieren das in Manuskripten tradierte Wissen sowie den Umgang mit dem konkreten Textträger. Von Interesse sind zudem eine Reihe kulturgeschichtlicher Aspekte, die sich anhand von Paratexten untersuchen lassen, wie mediale Differenzierung, Kommunikation in Wissenstraditionen und Fragen der Wissensrestriktion. Die Teilprojekte gehen diesen Phänomenen mit unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen nach, zugleich in Verbindung mit parallelen Fragestellungen in den anderen Projektbereichen.

A01

Wege des Wissens: Zur Funktion von Paratexten in buddhistischen Manuskripten des japanischen Mittelalters

Während des japanischen Mittelalters (12. bis 17. Jh.) hatte Wissen, das innerhalb buddhistischer Schulen oder Gelehrtenkreise, von Adligen am Hofe oder in den Provinzen, entwickelt und verbreitet wurde, tendenziell restriktiven Charakter. Das Teilprojekt verbindet diesen Befund mit dem zentralen Textmedium dieser Zeit, dem Manuskript. Durch eine Untersuchung derjenigen Informationen in Manuskripten zumeist aus der esoterischen Tradition des Buddhismus, die nicht der Haupttext sind, also Paratexten wie Kolophone, Glossen oder Titel, sollen Kontrolle und Zugang zu Wissen ebenso herausgearbeitet werden wie deren soziale Organisationsformen.

Prof. Dr. Jörg B. Quenzer
Universität Hamburg, Asien-Afrika-Institut, Abt. für Sprache und Kultur Japans

Dr. Heidi Buck-Albulet

Meike Zimmermann, M.A. (08/2011 - 09/2014)

Poster A01
A02

Organisation von Wissen durch Paratexte: Die Donglin-Manuskripte

Das Teilprojekt untersucht die Rolle von Paratexten in der Organisation von Wissen anhand von Manuskripten einer chinesischen Gelehrtengruppe des 17. Jahrhunderts. Die Manuskripte, die in südchinesischen Bibliotheken liegen, sollen zunächst nach formalen und inhaltlichen Kriterien kategorisiert werden. Dann soll der Prozess der Organisation von Wissen mit philologischen und naturwissenschaftlichen Methoden analysiert und beschrieben werden.

Prof. Dr. Kai Vogelsang
Universität Hamburg, Asien-Afrika-Institut, Abt. für Sprache und Kultur Chinas

Dr. LIN Hang

Poster A02
A03

Organisation historischen Wissens in Tai-Lü-Manuskripten: das paratextuelle Umfeld einer neu belebten Manuskriptkultur

Das Teilprojekt untersucht die Organisation des historischen und kulturellen Wissens in historiographischen Handschriften der neu belebten Manuskriptkultur der Tai Lü im oberen Mekong-Tal mittels eines Vergleichs von Korpora aus zwei benachbarten Regionen (Sipsòng Panna/Yunnan und Müang Sing/Laos). Es wird systematisch analysiert, wie sich diese Wissensorganisation in den Paratexten – vor allem in den Kolophonen, Vor- und Nachworten, aber auch in Kapitelüberschriften und anderen Gliederungshilfen – widerspiegelt.

Prof. Dr. Volker Grabowsky
Universität Hamburg, Asien-Afrika-Institut, Abt. für Sprachen und Kulturen Südostasiens

Apiradee Techasiriwan, M.A.

Poster A03
A04

The Paratextual Field of Old Tamil Poetic and Learned Traditions:
Ways to Lord Murukaṉ – Verses, Glosses and Commentaries around an Old-Tamil Hymn
The Words a Poet looks for – Tamil Glosses to a Sanskrit Poetic Thesaurus

Das Tirumurukāṟṟuppaṭai („Weisen des Wegs zu Gott Murukaṉ“), eine kurze devotionelle Hymne in Alttamil, steht in einer dreifachen Überlieferungstradition. Es hat nicht nur Eingang gefunden in das älteste literarische Korpus des klassischen Tamil, die sogenannten Caṅkam-Texte (Beginn der christlichen Zeitrechnung), sondern auch in den shivaitischen Kanon, die zwölf Tirumuṟai (kompiliert im 12. Jahrh.). Zudem ist es bis heute ein populärer Text in der Verehrung Murukaṉs. Entsprechend groß und vielfältig ist die Zahl der erhaltenen Manuskripte. Das Teilprojekt wird untersuchen, in welcher Weise Paratexte die verschiedenen Prozesse der Überlieferung reflektieren und strukturieren.

PD Dr. Eva Wilden
Ecole française d'Extrême-Orient , Centre de Pondichery

Dr. Giovanni Ciotti

Dr. Emmanuel Francis

Poster A04
A05

Das Schreiben und Lesen von Paratexten: Kognitive Ebenen in westafrikanischen Islam-Handschriften

Ziel dieses Teilprojekts ist eine vergleichende Analyse von Manuskripten mit Glossen, die an den westlichen (Senegambia) und östlichen (Borno) Rändern des westafrikanischen Islam produziert wurden, in Gegenden also, die zu den frühesten Zentren islamischer Tradition im subsaharischen Afrika zählten. Die Untersuchung widmet sich der Analyse der Rolle der Manuskripte in zwei unterschiedlichen Traditionen der islamischen Lehre sowie der Identifizierung von Schreiberpraktiken in Zusammenhang mit dem Schreiben und Lesen von Paratexten. Das Projekt leistet sowohl einen Beitrag zu unserem Verständnis regionalspezifischer Praktiken als auch allgemeinen Aspekten von islamischer Erziehung und Manuskriptkulturen in Westafrika und darüber hinaus.

Dr. Dmitry Bondarev

Darya Ogorodnikova, M.A.

Poster A05
A06

Am Rande einer Tradition: Paratexte in malaiischen Manuskripten des 19. Jahrhunderts

Die Einführung des Steindrucks und die zunehmende Monetarisierung der indigenen Gesellschaft der malaiischen Welt im Laufe des 19. Jahrhunderts hatten tiefgreifende Auswirkungen auf die Manuskriptkultur und die Einstellung der Menschen gegenüber Manuskripten sowie deren Produktion und Konsumption. Ziel dieses Teilprojekts ist, diese Veränderungen durch eine Untersuchung der in den Kolophonen und Marginalien malaiischer Manuskripte gefundenen paratextuellen Elemente zu lokalisieren und analysieren. Die Hypothese lautet, dass Manuskripte zunehmend als wertvolle Gegenstände betrachtet wurden, die sich in Privatbesitz befanden und Texte enthielten, die individuell gelesen und nicht mehr als Teil einer anonymen Tradition öffentlich rezitiert und genossen wurden.

Prof. Dr. Jan van der Putten

Siti Nurliyana Binte Taha, M.A.

Poster A06

Projektbereich B: Visuelle Organisation

Der Projektbereich B befasst sich mit der visuellen Organisation von Manuskripten als einem zwischen verschiedenen Disziplinen liegenden Gegenstandsfeld, das im Hinblick auf Konstanten und Differenzen in unterschiedlichen (Manuskript-)Kulturen untersucht werden soll. Als visuelle Organisation werden das Erscheinungsbild eines Manuskriptes verstanden und alle Faktoren, die es konstituieren, wie Format, Form, Farbe oder Anordnung von Zeichen. Visuelle Organisation betrifft die Formen der Zeichen und das Layout der einzelnen Seite, aber ebenso das Manuskript als Ganzes, die Manuskriptarchitektur. Versteht man das Layout als die Organisationform der Seite und damit der Fläche, so erschließt der Blick auf die Manuskriptarchitektur das Manuskript als dreidimensionalen Raum, in dem die jeweiligen Informationen ihren Ort haben. Die visuelle Organisation eines Manuskriptes ist insofern auch visuelle Wissensordnung, die einerseits vom individuellen Schreiber abhängig ist, andererseits aber durch Konventionen und Normen bestimmt wird, die gewährleisten, dass bei aller Individualität und Singularität eines Manuskriptes die in ihm festgehaltenen Informationen rezipierbar werden und bleiben.

Die Teilprojekte des Projektbereichs erforschen, von welchen Entstehungsbedingungen, Funktionen und Gebrauchszusammenhängen die visuelle Organisation geformt wird und welche Rolle diese im Prozess der Wissenstradierung und -rezeption spielt.

B01

Biblia Pauperum-Handschriften. Die Neustrukturierung von Bibel- und Glaubenswissen in Text-Bild-Einheiten

Das Teilprojekt will deutschsprachige Biblia Pauperum-Manuskripte untersuchen, die den Bibeltext auf 34 oder mehr halb- oder ganzseitige Text-Bild-Einheiten reduzieren und damit für den spätmittelalterlichen Prozess der Neustrukturierung von Bibelwissen stehen. Die verschiedenen Layouts dieser Text-Bild-Einheiten geben zugleich Aufschluss über die Leistungen visueller Organisation von Manuskripten, sowie über Bedingungen und Konsequenzen ihrer Veränderung in einem konkreten Überlieferungszusammenhang.

Prof. Dr. Bruno Reudenbach
Universität Hamburg, Fachbereich Kulturgeschichte und Kulturkunde, Kunstgeschichtliches Seminar

Fridericke Conrad, M.A.

Jun.-Prof. Dr. Hanna Wimmer
(Juli 2011 - April 2014)


Poster B01
B03

Manuskriptkultur und Chant Communities. Die Organisation des Wissens in Handschriften mit polyphoner Musik des sogenannten Notre-Dame-Repertoires

Mehrstimmige Musik wird im europäischen Mittelalter als Handlung verstanden, als das Singen in einer Gemeinschaft von Experten. Der notator einer Musikhandschrift visualisiert und organisiert das Wissen über die Aus- und Aufführung. Eine synchrone und eine diachrone Perspektive auf Manuskripte, die das Notre-Dame-Repertoire bis ca. 1270 bzw. bis in das 15. Jh. hinein überliefern, zielen darauf ab, das Verhältnis von Manuskriptkultur und einer jeweiligen lokalen Musikpraxis sowie Kontinuitäten und Umbrüche innerhalb der Manuskriptkultur polyphoner Musik des europäischen Mittelalters exemplarisch zu beschreiben.

Prof. Dr. Oliver Huck
Universität Hamburg, Fachbereich Kulturgeschichte und Kulturkunde, Musikwissenschaftliches Institut

Eva Maschke, M.A.

Poster B03
B04

Texte teilen: Konventionen der visuellen Textorganisation in nordindischen und nepalesischen Manuskripten bis ca. 1350 u.Z.

Das Teilprojekt hat zum Ziel, einen Überblick zum Thema zu geben und zu analysieren, wie Schreiber von Sanskrit Manuskripten Texte visuell abgrenzen, die sie von Paratexten (wie z.B. einleitende Abschnitte, abschließende Kolophone) oder von anderen Texten kopieren. Solche Abgrenzung impliziert den Einsatz von Leerzeilen, Variation der Schriftgröße und/oder des Schreibduktus, Verwendung von Symbolen, Farben (Rubriken) aber auch die Verbindung all dieser Elemente. Besondere Beachtung widmet das Teilprojekt der Analyse von Schreiberpraktiken, die verdeutlichen, wie Textwissen organisiert und strukturiert (auf unterschiedlichen Ebenen, darunter auch in der Unterteilung einzelner Texte und Kapitel innerhalb der Texte), ferner wie dieses Wissen angewendet und erzeugt wird.

Prof. Dr. Harunaga Isaacson
Universität Hamburg, Asien-Afrika-Institut, Abt. für Kultur und Geschichte Indiens und Tibets

Bidur Bhattarai, M.A.

Poster B04
B05

Formen und Funktionen des Layout in arabischen Manuskripten anhand von Abschriften religiöser Texte

Arbeitsprogramm: Bearbeitung jeweils mehrerer Abschriften von sechs arabischen Werken mit religiöser Thematik. Thema von Fokus 1 „Formen“: Ermittlung der Layoutmerkmale; Bildung von Entwicklungsreihen; Analyse der Reihen hinsichtlich der Parameter Entstehungszeit und -ort, Textsorte und Gebrauchskontext; Vergleich der Befunde über die Werkgrenzen hinweg. Thema von Fokus 2 „Funktionen“: Untersuchung der Merkmale, die auf die visuelle Strukturierung des Inhalts abzielen, besonders also inhaltlich motivierte Absätze, Rubrizierungen von Stichwörtern, und Rahmungen.

Prof. Dr. Tilman Seidensticker
Friedrich-Schiller-Universität Jena, Institut für Sprachen und Kulturen des Vorderen Orients

Frederike-Wiebke Daub, M.A.

Friederike Schmidt, M.A.

Hadiya Gurtmann, M.A. (10/2011 - 08/2014)

Poster B05
B07

Der Codex Florentinus – die visuelle Organisation des Manuskripts als transkultureller Übersetzungs- und Aushandlungsraum in der Frühen Neuzeit

Das Projekt untersucht am Beispiel des zwischen 1567 und 1577 in Neuspanien (heute Mexiko) fertiggestellten Codex Florentinus, wie Manuskripte im Zusammenspiel von Schrift und Bild zum Ort transkultureller Aushandlungsprozesse werden. Die Hypothese lautet, dass die Illuminatoren in einer bewussten Strategie der rhetorischen Alterität zwei als distinkt wahrgenommene visuelle Systeme reflektieren. Auf diese Weise werden nicht nur verschiedene Wissenskulturen verbunden, sondern auch unterschiedliche Ansätze zur visuellen Organisation von Wissen parallel zur Anwendung gebracht.

Prof. Dr. Margit Kern
Universität Hamburg, Fachbereich Kulturgeschichte und Kulturkunde, Kunsthistorisches Seminar

Anna Boroffka, M.A.

Poster B07

Projektbereich C: Sammlungen

In der Regel gehört jedes Manuskript während seines Lebens zu mindestens einer Sammlung, und das Verständnis der Funktionen, die eine einzelne Handschrift hatte (und in einigen Fällen hat), und ihrer Geschichte ist abhängig von der Aufdeckung der Geschichte der Sammlung(en), zu der/denen sie gehörte (und gehört) – Sammlungen, die auch wiederum ihre eigene Geschichte haben. Diese Sammlungen können von vielerlei Art sein: von privaten Sammlungen bis hin zu öffentlichen Bibliotheken. Eines unserer Hauptziele besteht darin, das Wesen von Sammlungen und ihre verschiedenen Funktionen in Manuskriptkulturen zu reflektieren.

Manuskripte, die eine Sammlung (von Texten) enthalten, gibt es vermutlich in jeder Manuskriptkultur. Die textbezogene Forschung hat dies oft übersehen, obwohl die Organisation von Multi-Text-Manuskripten einen wichtigen Schlüssel zur Funktion von Texten und zu textlichem Wissen bildet. In manchen Fällen reflektieren solche Manuskripte Sammlungen von Manuskripten. Auf diese Weise sind die Themen von Manuskriptsammlungen und von Manuskripten, die Sammlungen enthalten, eng miteinander verbunden, da sie unterschiedliche, aber wesentliche und sich ergänzende Perspektiven zur Organisation des Wissens bieten.

C01

A Twelfth-Century East Indian Monastic Library and its Fate

Das Teilprojekt hat zum Ziel, erstmalig die Gesamtdarstellung einer ostindischen buddhistischen Manuskript-Sammlung aus dem 12. Jh. und dem Skriptorium, in welchem die Manuskripte entstanden, zu vermitteln, indem es besondere Beachtung dem Textkorpus als auch den Organisationsmerkmalen im einzelnen Manuskript, darunter kodikologischen Aspekten, schenkt. Als Entstehungsort des Korpus wurde kürzlich Vikramaśīla identifiziert, eines der meist gefeierten buddhistischen Zentren monastischer Gelehrsamkeit. Um die spezifischen Merkmale des Korpus präzise zu ergründen, werden als Kontroll-Gruppe weitere Manuskripte ähnlicher Provenienz (d.h. ostindisch buddhistisch, ca. 12 Jh.) hinzugezogen. Als ein weiteres, ergänzendes Ziel, soll die Geschichte der Manuskripte dieses Korpus untersucht werden.

Prof. Dr. Harunaga Isaacson
Universitä Hamburg, Asien-Afrika-Institut, Abt. für Kultur und Geschichte Indiens und Tibets

Dr. Martin Delhey

Poster C01
C02

Doxographische Organisationsschemata in Manuskripten und Blockdrucken der Sammlung der Alten Tantras

Im Mittelpunkt des tibetologischen Teilprojektes stehen die Manuskript- und Blockdrucksausgaben der parakanonischen Sammlung, bekannt als die rNying ma rgyud ’bum („Sammlung der Alten Tantras“). Das Teilprojekt wird die unterschiedlichen Schemata analysieren, die bei der Organisation dieses Korpus in Abteilungen und Unterabteilungen zum Einsatz kamen, und die speziell für diese Sammlung entwickelt wurden, sowie die Geschichte ihrer Entstehung. Die Untersuchung der Organisation dieser Sammlung wird anhand der Fallstudie eines Werks mit dem Titel Bodhicittabhāvanā vertieft.

Dr. Orna Almogi
Universität Hamburg, Asien-Afrika-Institut

Dimitri Pauls, M.A.

Poster C02
C03

Für Paläste und Gräber: Büchersammlungen im Alten China (3.–1. Jh. v.Chr.)

Die einzige Quelle zur altchinesischen Manuskriptkultur ist der Katalog der Hofbibliothek aus dem frühen 1. nachchristlichen Jahrhundert. Er repräsentiert ein vermutlich neues Ordnungssystem, auf dem alle folgenden basieren. Büchersammlungen aus Gräbern erlauben es, ältere Wissensordnungen am materiellen Objekt zu rekonstruieren und mit der imperialen zu vergleichen.

Prof. Dr. Michael Friedrich
Universität Hamburg, Asien-Afrika-Institut

Max-Jakob Fölster, M.A.

Bin Wang, M.A.

Poster C03
C04

Buyruk-Manuskripte im Alevitentum: Sammelhandschriften als Träger und Vermittler religiösen Wissens zwischen Schriftlichkeit und Oralität

Das Teilprojekt untersucht die Beschaffenheit und Funktion von ca. 30 einbändigen, Buyruk genannten Sammelhandschriften (multiple-text manuscripts; spätes 18. Jh. – frühes 20. Jh.), die religiöses Wissen im mündlich dominierten Kontext alevitischer Gemeinschaften bewahr(t)en und vermittel(te)n. Eine inhaltlich-manuskriptologische, sprachliche, paläographische und materialbezogene Analyse ermittelt die Charakteristika dieser ‚autonomen’ Manuskriptkultur insbesondere bezüglich der Wissensorganisation, der Tradierungswege und –techniken sowie der Textkompilation, auch um deren Veränderungen im Abgleich mit dem sozial-kulturellen Kontext nachverfolgen zu können.

Prof. Dr. Raoul Motika
Universität Hamburg, Asien-Afrika-Institut, Abt. für Geschichte und Kultur des Vorderen Orients

Janina Karolewski, M.A.

Poster C04
C05

Querschnittsansichten sich entwickelnden Wissens: christlich-äthiopische Manuskripte mit kanonistisch-liturgischem und hagiographischem Inhalt als Corpus-Organizers (“Corpus-Organisatoren”)

Es werden etwa 50 mittelalterliche äthiopische Manuskripte zweier Corpora (ein kanonisches und ein hagiographisches Korpus) untersucht. Diese Manuskripte übernehmen in der Überlieferung des schriftlichen Wissens von der Spätantike bis zum Mittelalter, insbesondere in der Zeit seit dem Verschwinden des griechischen aksumitischen Erbes (4. bis 7. Jh. n.Chr.) bis zu der arabisch beeinflussten Periode (ab dem 13. Jh.), die Rolle der “corpus-organizer”. Das Projekt untersucht diese Manuskripte und bezieht dabei den materiellen und textuellen Befund mit ein. Am Beispiel der ältesten uns bekannten kanonisch-liturgischen Sammlung soll die Rekonstruktion eines verlorenen Archivs der alexandrinischen Kirche versucht werden.

Prof. Dr. Alessandro Bausi
Universität Hamburg, Asien-Afrika-Institut, Abt. für Afrikanistik und Äthiopistik

Dr. Antonella Brita

Poster C05
C06

Prof. Dr. Christian Brockmann
Universität Hamburg, Institut für Griechische und Lateinische Philologie

Philosophisches und naturwissenschaftliches Wissen in griechischen Manuskripten des Kardinals Bessarion (1403–1472)

Die zentrale Rolle des Mediums Manuskript für den Austausch von Wissen zwischen Griechenland und Italien in der Renaissance soll am Beispiel von Bessarions Sammlung von Platon- und Aristoteles-Handschriften herausgearbeitet werden. Seine Handexemplare und die mit ihrer Hilfe angefertigten Mustermanuskripte, die ihrerseits korrigiert und vervielfältigt wurden und der weiteren wissenschaftlichen Verbreitung dienten, werden in ihrer Textform, in den Korrekturen, Marginalien, Scholien, Diagrammen und anderen Paratexten systematisch analysiert. Die für das Selbstverständnis der Renaissance zentrale Auseinandersetzung um Aristotelismus und Platonismus wird durch das Studium dieser Manuskripte sowie der Wege ihrer Weitergabe in ihren Grundlagen untersucht.

Prof. Dr. Christian Brockmann
Universität Hamburg, Institut für Griechische und Lateinische Philologie

Dr. Vito Lorusso

Für die Edition der Solutiones des Theodoros Gazes in Zusammenarbeit mit
Dr. Stefano Martinelli Tempesta
Universität Mailand, Dipartimento di Studi Letterari, Filologici e Linguistici

Poster C06
C07

The place of Swahili Manuscripts in East African Collections

Dieses Teilprojekt untersucht Swahili-Manuskripte in arabischer Schrift, die als Teil ostafrikanischer Sammlungen von Swahili-Gelehrten, -Dichtern oder ihren jeweiligen Erben oder von Institutionen wie Bibliotheken, Archiven oder Moscheen zusammengetragen wurden. Hauptziel ist dabei zu verstehen, welche Rolle(n) dies Swahili-Manuskripte im Rahmen der Organisation und Vermittlung von Wissen spiel(t)en. Verwendungsweisen von Manuskripten im Zusammenhang zur Oralität ist ein zweiter Ansatzpunkt für die Klä,rung der Funktion der Swahili-Manuskripte. Dies soll u.a. am Beispiel der Swahili-Dichtung Utendi wa Mwana Kupona durchgeführt werden.

Prof. Dr. Roland Kießling
Universität Hamburg, Asien-Afrika-Institut, Abt. für Afrikanistik und Äthiopistik

Drs. Ridder Samsom

Ahmed Badawy, B.A.

Poster C07

Integriertes Graduiertenkolleg


MGK

Integriertes Graduiertenkolleg Manuskriptkulturen

Das Graduiertenkolleg bindet die Doktoranden des SFB ein und nimmt externe Doktoranden aus dem In- und Ausland auf, die durch Stipendien unterstützt werden. Das Graduiertenkolleg bietet ein strukturiertes Promotionsprogramm an, das interdisziplinäre Kompetenz in der Manuskriptforschung vermittelt und Vorlesungen zur historischen und vergleichenden Manuskriptforschung sowie Workshops zu methodischen Fragen umfasst, ferner um berufsvorbereitende Veranstaltungen mit Praxisbezug erweitert wird.

Prof. Dr. Oliver Huck
Universität Hamburg, Fachbereich Kulturgeschichte und Kulturkunde, Musikwissenschaftliches Institut

 

Teilprojekt Informationsinfrastruktur


INF

Datenrepositorium Manuskriptkulturen

Das Teilprojekt „Datenrepositorium Manuskriptkulturen“ soll die systematische Sicherung und langfristige Nutzung der Projektdaten gewährleisten. Die Nutzung der zentralen MyCoRe-Installation, mit der umfangreiche Erfahrungen vorliegen, soll das dezentrale und wenig effektive Management von Daten in den Teilprojekten vermeiden. Es wird ein Datenrepositorium für die digitalen Objekte mit beschreibenden Metadaten, entsprechend den Anforderungen der einzelnen Teilprojekte aufgebaut werden. Das Datenrepositorium wird zudem die Möglichkeit einer virtuellen Zusammenarbeit bieten und soll als zentrale virtuelle Arbeitsplattform für die beteiligten Wissenschaftler zur Verfügung stehen.

Prof. Dr. Michael Friedrich
Universität Hamburg, Asien-Afrika-Institut, Abt. für Sprache und Kultur Chinas

Dr. Stefan Thiemann
Universität Hamburg, Asien-Afrika-Institut, IT-Abt.

Karsten Helmholz, M.A.

Dipl.-Ing. Viktor Kurbangulov

Poster INF

Projektbereich Z: Wissenschaftliche Serviceprojekte

Unter den Stichwörtern Visualisieren, Analysieren und Charakterisieren sind in diesem Bereich drei Projekte zusammengeführt, die von grundlegender und integrierender Bedeutung für den geplanten Sonderforschungsbereich insgesamt und für alle Einzelvorhaben sind. Sie sollen auch über den SFB hinaus wirken und im Sinne der Nachhaltigkeit computertechnologische Werkzeuge der Manuskriptforschung und einen entwickelten Methodenschatz für die zukünftige Forschung schaffen. Die drei technisch-unterstützenden Projekte ergänzen sich dabei mit ihrem jeweiligen Fokus und kooperieren eng miteinander: in Z01 stehen optische Verfahren zur Visualisierung im Zentrum, in Z02 die breit gefächerte naturwissenschaftliche Materialanalyse und in Z03 das computergestützte Charakterisieren von Schrift und Zeichen. Dabei gilt für alle Methoden, dass sie zerstörungsfrei, nicht invasiv sind und die Objekte der Forschung nicht verändert werden.

Es sind die materiellen Grundlagen der Manuskriptkulturen, die Schrift- und Bildträger, die Tinten und Tuschen sowie die Schriftstile und Zeichenformen, die hier mit aktuellen naturwissenschaftlichen und informationstechnischen Verfahren untersucht werden. Diese Arbeit ist nur durch eine enge Verbindung von Geistes-, Natur- und Informationswissenschaften zu leisten: Die Manuskriptwissenschaften liefern die Fragestellungen und weisen auf bisher unlösbare Schwierigkeiten hin, in den technologischen Projekten werden in engem Kontakt zu eben diesen Manuskriptwissenschaften neue Lösungsansätze erarbeitet und Antworten gefunden.

Zu den Langzeiterträgen dieser Teilprojekte werden auf der technischen Seite ein Arbeitsplatz für die rechnergestützte Manuskriptanalyse, ein „mobiles Labor“ für die zerstörungsfreie Untersuchung von Manuskripten vor Ort und umfangreiche Digitalisierungsausrüstung samt dem erforderlichen ‚Know-how‘ zur Wiedergewinnung beschädigter bzw. gelöschter Schrift gehören. Auf der systematischen wissenschaftsmethodologischen Seite wird ein fachübergreifendes Handbuch für den Umgang mit Manuskripten in den Bereichen Digitalisierung, Materialanalyse und computertechnologische Schriftcharakterisierung erarbeitet.

Z01

Methoden der Manuskriptanalyse zur Wiedergewinnung verlorener Schrift

Zur Sichtbarmachung von Schrift oder Zeichen, die durch Beschädigung oder durch bewusste Eingriffe wie Löschen und Palimpsestieren nicht mehr lesbar sind, werden aktuelle digitale Aufnahme-, Auswertungs- und Visualisierungsverfahren bereitgestellt und weiterentwickelt. Dazu wird vorhandene Ausrüstung um neueste Technologie ergänzt. Das Wissenschaftliche Serviceprojekt fertigt multispektrale und andere Spezialaufnahmen für zahlreiche Teilprojekte des SFB an. In enger Kooperation mit Z02 und Z03 wird zugleich eine fachübergreifende Methodik zur Manuskriptanalyse mit Hilfe von technischen Verfahren entwickelt und in einen Leitfaden eingebracht.

Prof. Dr. Christian Brockmann
Universität Hamburg, Institut für Griechische und Lateinische Philologie

Boryana Pouvkova, M.A.

Claire Rachel MacDonald, B.A.

Poster Z01
Z02

Materialwissenschaftliche Methoden zur Rekonstruktion der Geschichte von Manuskripten

Materialwissenschaftliche Untersuchungen liefern wichtige Hinweise zur Beantwortung kulturhistorischer Fragestellungen, die nicht allein durch historische und philologische Methoden zu lösen sind. Jedes Manuskript ist in seiner individuellen Materialität ein Ergebnis unterschiedlichster Einflüsse (Herstellung, Lagerung, Restaurierung, Konservierung). Ziel dieses Wissenschaftlichen Serviceprojektes ist die Validierung bestehender naturwissenschaftlicher Methoden sowie die Entwicklung neuer Verfahren, um mit einem mobilen Labor diese Einflüsse auf Manuskripte zerstörungsfrei vor Ort zu untersuchen. Mit dem mobilen Labor werden unterschiedliche Teilprojekte dieses SFB materialtechnologisch unterstützt.

Dr. Oliver Hahn
Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM)

Dr. Ira Rabin
Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM)

Dipl.-Chem. Emanuel Kindzorra
Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM)

Poster Z02
Z03

Methoden der Bildverarbeitung zur Bestimmung von visuellen Manuskript- und Zeichenmerkmalen

Arbeitsziele dieses Teilprojektes sind (i) die Entwicklung und Anwendung von innovativen rechnerbasierten Methoden zur Analyse und zum Vergleich von Schriftstücken anhand ihrer visuellen Merkmale, (ii) die Anwendung dieser Verfahren im Zusammenhang mit Fragestellungen aus anderen Teilprojekten des SFB, sowie (iii) die Integration der Verfahren in einem Arbeitsplatz für rechnergestützte Manuskriptanalyse.

Prof. em. Ph.D. Bernd Neumann
Universität Hamburg, Fachbereich Informatik

Prof. Dr. Leonie Dreschler-Fischer
Universität Hamburg, Fachbereich Informatik

Dipl.-Inf. Rainer Herzog

Dipl.-Inf. Arved Solth

Poster Z03